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Peter Wayand: Ich könnte weinen über Goethe
Szenische Collagen & dramatische Streiflichter über Händel, Goethe, Heine und Schumann

Verlag 28 Eichen, Barnstorf 2009. 176 S. 15,- €. Format 12 x 19, ca. 200 g. Softcover
ISBN-13: 978-3-940597-38-0

 

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Ich könnte weinen über Goethe

Kennen Sie Händel? Goethe kennen Sie doch bestimmt, nicht wahr? Bei Heine und Schumann wird es da schon wieder schwieriger. Zwei Musiker, zwei Dichter, die nur selten auch als Mensch gesehen werden. - Händel, der sich gern der Öffentlichkeit als lärmender, bäuerlicher, zwei Meter großer Grobian präsentierte, im Restaurant gleich für sechs aß und Primadonnen, aus dem Fenster zu werfen drohte. - Oder Goethe? Er war eigentlich diskret und verschlossen, ein Freidenker und Schöngeist mit Weitblick und einer schier unerklärlichen Sensibilität. - Schumann, ein Musiker mit dem überschäumenden Temperament eines Romantikers, mit den Idealen eines Bewegers - und Heine, ein verbitterter, mit sich selbst und der Welt hadernder Zyniker. In drei Theatertexten nähert sich Peter Wayand auf unorthodoxen Wegen diesen Ausnahmemenschen. Dreimal wird der Versuch unternommen, hinter all dem Glamourösen, hinter all den Fassaden des öffentlichen Lebens einen Eindruck von dem zu gewinnen, was das Wahrhaftige ausmacht: Menschlichkeit.

 

Für alle, die nach der Aktualität Goethes fragen - aber vielleicht auch für jene, die zweifeln, ob der Mensch befähigt sei, aus seinen Fehlern zu lernen:

"Es muss in unseren Tagen nicht mehr die Rede sein von Schul- und Parteiwissen, sondern von allgemeinen Weltansichten, die auf echte Kenntnisse gegründet sind."

Goethe

 

„Unser Streben ist ein rein menschliches.“ Dieses Bonmot Karl Mays trifft wohl auf alle Künstler, um die es in diesem Sammelband von Theatertexten geht, zu: Zwei Musiker, zwei Dichter, „die so erhaben sind, dass sie Marmor scheißen!“, hier jedoch als das erscheinen, was sie auch waren, nämlich in erster Linie Menschen. Menschen, die immer wieder in die höchsten Höhen gehievt und auf goldene Throne gesetzt wurden, die aber – so die Meinung des Verfassers – vor allem in ihrer Menschlichkeit bestachen und sich aus der Masse hervorhoben. Da wäre zunächst „Il caro sassone“, der Zeit seines Lebens ohne Frau gebliebene, nur auf seine Musik fixierte Barock-Meister Händel, dessen Leben, wenn man es streiflichtartig auf die Bühne bringt, eine wahre Fundgrube in Umgang mit Erfolg und Misserfolg ist, von dem sich heute noch so mancher moderne Musikproduzent ein Scheibchen abschneiden könnte. Händel, der als der erste wirkliche Musikunternehmer alles regelte und sich um alles kümmerte, angefangen vom Verfassen seiner Partituren bis hin zur vollendeten Marketingstrategie des 18. Jahrhunderts. Dann Goethe, jener seltsame, naive, arrogante, reiche und vor allem wirklichkeitsfremde Goethe! Wenn man dazu bereit ist, sich auf ihn als Mensch einzulassen, darf man sich freilich nicht vor der in den letzten zweihundert Jahren aufgebauten Hoheit seiner Person und seiner oft propagierten Unantastbarkeit abschrecken lassen. Auch Goethe hat nur mit Wasser gekocht, auch er war nur ein Mensch mit allen menschlichen Eigenschaften, Fehlern, Schwächen und Möglichkeiten. Ist Goethe also fassbar und doch unfassbar? Ist er endlich und doch unendlich? - Goethe war nie wirklich Faust, er war auch nie Wilhelm Meister. Werthers Geschick war nur ein Teil seines Erlebens und so geht es mit vielen seiner Figuren und Szenarien. In „Und noch einmal Karlsbad“ wird versucht, aus Segmenten und Auszügen seiner eigenen Stücke - mit strukturierenden Elementen angereichert - eine Annäherung zu versuchen, die sich vorrangig dem Menschen Goethe widmet, indem es den Dichter mit zentralen, wichtigen Figuren aus seinem Leben aber auch aus seinem Werk konfrontiert und sich mit ihnen austauschen lässt. Und schließlich Schumann und Heine. Der eine ein in sich zerrissener Musiker, der andere ein jüdischer Dichter von hohem politischen Durchblick. Der eine ein Ostdeutscher aus Zwickau, dessen späterer Lebensweg ihn auch nach Düsseldorf führen wird, der andere eben ein Düsseldorfer, ein Westdeutscher, der dennoch stark durch den französischen Geist geprägt wurde, der in seiner Kinder- und Jugendzeit in Düsseldorf vorherrschte. Der eine ein Wegbereiter der Romantik, der andere ein satirischer Realist, dessen bevorzugtes Stilmittel die Ironie war. Robert Schumann hatte sich als Siebzehnjähriger im März 1828 an der Universität Leipzig für das Jurastudium eingeschrieben. Vor Beginn des Semesters ging er jedoch mit seinem Freund Gisbert Rosen auf eine „Jünglingswallfahrt“ über Bayreuth, Augsburg und München. Dort begegnete er im May 1828 dem um dreizehn Jahre älteren Heine. Wie könnte diese Begegnung abgelaufen sein? Worüber könnten sich beide ausgetauscht haben? Eine mögliche Antwort findet sich in der „Dichterliebe“.

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