Verlag 28 Eichen


Cover: Olaf R. Spittel (2012), unter Verwendung eines Stahlstiches aus Spamers Illustrirtes Konversations-Lexikon, Leipzig 1893.

 

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Die hier gesammelten Erzählungen Arthur Conan Doyles stammen aus den Jahren zwischen 1882 und 1887 und erschienen im Original zunächst nur in literarischen Zeitschriften. Einige Erzählungen liegen hier in deutscher Erstveröffentlichung vor. Alle weiteren Erzählungen wurden ebenfalls neu übersetzt von Ilona Limke-Bollweg.

Sir Arthur Conan Doyle: Das Duell.
Erzählungen
Aus dem Englischen übersetzt von Ilona Limke-Bollweg.
Sir Arthur Conan Doyle: Ausgewählte Werke, Band 35
Herausgegeben von Olaf R. Spittel.
Verlag 28 Eichen, Barnstorf 2012. 292 S. 23,- €.
Format 12 x 19, Softcover.
ISBN: 978-3-940597-46-5
 

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Erhältlich in jedem guten Buchladen und im Internet.


Auch als eBook.
ISBN: 978-3-96027-085-0
15,99 
 

Inhalt

Der Veteran

That Veteran

Ein aufregender Weihnachtsabend

An Exciting Christmas Eve;
or, My Lecture on Dynamite

Gentleman Joe

Gentlemanly Joe

Der Schuß des Siegers

The Winning Shot

Die Geschichte des Kutschers

The Cabman's Story

Die Erbin von Glenmahowley

The Heiress of Glenmahowley

Die Schauspieler

The Tragedians aka The Actor's Duell

 Crabbes Praxis

Crabbe's Practice

Das Schicksal der Evangeline

The Fate of the Evangeline

Das einsame Hampshire Cottage

The Lonely Hampshire Cottage

Das war knapp

Touch and Go

Der Stein von Boxmans Furt

The Stone of Boxman's Drift

 Onkel Jeremys Haushalt

Uncle Jeremy's Household

 

 

„Sie haben offensichtlich ein paar interessante Dinge erlebt“, bemerkte ich.
„Beim Himmel!“ bestätigte der Fahrer. „Ich habe noch gar nicht wirklich angefangen, und wir sind doch schon am Alexandra Palace. Ich könnte Ihnen noch so manch eine seltsame Geschichte erzählen, und alle wahr, bedenken Sie, wahr wie das Evangelium. Sollte Ihrer kleinen Miß also nochmals nach etwas frischer Luft sein, fragen Sie einfach nach mir – Copper Street Nummer 94 – und ich bringe Sie raus aufs Land, und wenn Sie dann zu mir auf den Bock steigen, dann erzähle ich Ihnen noch manch Überraschendes. Aber da ist Ihr kleiner Sohn und brüllt wie verrückt, und die Gattin will aussteigen, und die andere tippt mit ihrem Sonnenschirm schon gegen das Fenster. Seien Sie vorsichtig beim Absteigen, Sir! Genau so! Nicht vergessen, Nummer 94! Einen schönen Tag noch, gnä’ Frau! Einen schönen Tag, Sir!“

Originaltitel und Quellen:

„Der Veteran“ (That Veteran). Erstveröffentlichung des Originals in: „All the Year Round“, 1882.

„Ein aufregender Weihnachtsabend. Oder: Mein Vortrag über Dynamit“ (An Exciting Christmas Eve; or, My Lecture on Dynamite). Erstveröffentlichung des Originals in: „Boy’s Own Paper“, 1883.

„Gentleman Joe“ (Gentlemanly Joe). Erstveröffentlichung des Originals in: „All the Year Round“, 1883.

„Der Schuß des Siegers“ (The Winning Shot). Erstveröffentlichung des Originals in: „Bow Bells“, 1883.

„Die Geschichte des Kutschers. Geheimnisse einer Londoner Droschke“ (The Cabman’s Story). Erstveröffentlichung des Originals in: „Cassell’s Saturday Journal“, 1884.

„Die Erbin von Glenmahowley“ (The Heiress of Glenmahowley). Erstveröffentlichung des Originals in: „Temple Bar“, 1884. Deutsche Erstveröffentlichung.

„Die Schauspieler“ (The Tragedians / The Actor’s Duel). Erstveröffentlichung des Originals in: „Bow Bells“, 1884.

„Crabbes Praxis“ (Crabbe’s Practice). Erstveröffentlichung des Originals in: „Boy’s Own Paper“, 1884. Deutsche Erstveröffentlichung.

„Das Schicksal der Evangeline“ (The Fate of the Evangeline). Erstveröffentlichung des Originals in: „Boy’s Own Paper“, 1885.

„Das einsame Hampshire Cottage“ (The Lonely Hampshire Cottage). Erstveröffentlichung des Originals in: „Cassell’s Saturday Journal“, 1885. Deutsche Erstveröffentlichung.

„Das war knapp. Geschichte eines Seekadetten“ (Touch and Go: A Midshipsman’s Story). Erstveröffentlichung des Originals in: „Cassell’s Saturday Journal“, 1886. Deutsche Erstveröffentlichung.

„Der Stein von Boxmans Furt“ (The Stone of Boxman’s Drift). Erstveröffentlichung des Originals in: „Boy’s Own Paper“, 1887. Deutsche Erstveröffentlichung.

„Onkel Jeremys Haushalt“ (Uncle Jeremy’s Household). Erstveröffentlichung des Originals in: „Boy’s Own Paper“, 1887. Deutsche Erstveröffentlichung.

 

Aus dem Vollen geschöpft

Doyle hatte seinen Stil mit Ende 20 nicht nur gefunden, sondern verfügte über die Mittel bereits mit der Selbstverständlichkeit eines Meisters. Davon zeugen diese 1887 und 1888 erstveröffentlichten und nun als Band 35 seiner Werkausgabe beim Verlag 28 Eichen auf deutsch neu herausgekommenen Erzählungen. Ohne daß Doyle auch nur an einer einzigen Stelle mit der väterlichen Autorität des Arztberufs kokettierte, dem er damals eben erst und eben noch nachging, scheint eine bestimmte philanthropisch-wache Sicht auf unser aller Dasein etwas auszudrücken, das man mit der Haltung nicht nur, aber doch bevorzugt eines Arztes nur zu gerne verbindet. Einmal allerdings kommt der Arzt aus dem Nähkästchen plaudernd zum Zuge. In der Kurzgeschichte 'Crabbes Praxis' erfährt der geneigte Leser, daß nicht erst heute Vertreter des medizinischen Standes Leiden erfinden, um als deren Beheber Aufmerksamkeit, Kunden und Vermögen zu ergattern. Heute sind es vielleicht eher medial hochgepeitschte Virusepidemien, in Doyles Erzählung erfüllt ein fingierter Unfall denselben Zweck. Für sein gesamtes Schaffen typisch, verweist er auch schon in diesem frühen Buch auf die Attraktivität äußerlich unscheinbarer oder fehlerbehafteter Personen und läßt den Leser sich, wie in der Erzählung 'Gentleman Joe', an deren endlich gefundenem Lebensglück herzlich mitfreuen. Ist so etwas literarisch relevant? mag mancher einwenden. Aber für wen schreibt jemand: zur linguistischen Selbstbefriedigung? um linguistische Tugendwächter mit Material für ihre stilhistorischen Profilierungen zu versorgen? Ist gegen Schreiben mit einer mitlaufenden therapeutischen oder utopischen Absicht etwas zu sagen? Der Arzt-Schriftsteller aus Edingburgh hätte gegenüber Einwänden dieser Art vermutlich geschmunzelt. Allerdings ist auch bekannt, daß ihn die geringe Wertschätzung seitens des literarischen Lehrbetriebs mitunter verdroß. An die 40 Bände erzählerischer Prosa ohne Flop mache dem Herrn aber einer erstmal nach!
Rezension von Klaus-Peter Bungert (Trier) Quelle